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Ratgeber Ausbildungszeugnis

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Ratgeber Ausbildungszeugnis

Redaktion | 23. Jan 2017 | Kategorien: Ausbildung | TAGs: Ausbildungszeugnis
Kommentare (0) | Anzahl der Ansichten (329)

Wenn du die Ausbildung geschafft hast, erhältst du ein Ausbildungszeugnis. Hier erfährst du alles über Aufbau, Inhalt und die "Geheimcodes" im Arbeitszeugnis.

Wie ist ein Ausbildungszeugnis aufgebaut?

Am Ende deiner Ausbildung solltest du ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis erhalten. Falls du nur ein einfaches bekommst, das keine Beurteilung deiner Leistung enthält, bitte deinen Ausbildungsleiter, dir ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen.

Ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis sollte wie folgt aufgebaut sein:

1. Überschrift: „Ausbildungszeugnis“

2. Formale Daten:

  • Anrede
  • vollständiger Name
  • Ausbildungsberuf
  • Ausbildungsbeginn und Ende
  • Unternehmensbeschreibung

3. Tätigkeitsbeschreibung

4. Leistungsbeurteilung

Darin können zum Beispiel diese Punkte bewertet werden:  

  • Engagement und Leistungswille
  • Fähigkeiten in der Ausbildung (z.B. Kreativität oder Geschicklichkeit)
  • Lern- und Arbeitsweise
  • Erfolge
  • Sozialverhalten
  • Zusammenfassende Leistungsbeurteilung

5. Beendigungsgrund: Solltest du selbst eine Übernahme beim Unternehmen ausgeschlagen haben, dann sollte dies im Zeugnis an dieser Stelle erwähnt werden.

6. Schlussformel

7. Unterschrift des Betreuers

Wie sollte ein Ausbildungszeugnis formuliert sein?

Die Sprache im Ausbildungszeugnis drückt verschiedene Noten für den Auszubildenden aus. Wie in der Berufsschule gibt es hier sehr gute und weniger gute Noten. Der „Geheimcode der Zeugnissprache“ kann sehr kompliziert sein. Diese Tabelle soll dir helfen, einen ersten guten Überblick über dein Zeugnis zu bekommen:

 

Note          

Formulierung
Er zeigte stets ein sehr hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.
1 Aufgrund seines umfangreichen und besonders fundierten Fachwissens erzielte er immer weit überdurchschnittliche Erfolge.
1 Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit vorbildlich.
1 stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
2 Sie zeigte stets eine hohe Leistungsbereitschaft und Pflichtauffassung.
2 Sie wendete ihre guten Fachkenntnisse laufend mit großem Erfolg im Arbeitsgebiet an.
2 Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit einwandfrei.
2 zu unserer vollsten Zufriedenheit
4 Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war korrekt und ohne Beanstandung.
4 Sie besitzt das erforderliche Fachwissen.
4 Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war korrekt und ohne Beanstandung.
4 zu unserer Zufriedenheit  
5 Er zeigte bei der Beschäftigung mit den ihm übertragenen Aufgaben das notwendige Fachwissen, das er wiederholt erfolgversprechend einsetzte.
5 Fehlende Formulierungen
5 Es erübrigt sich zu betonen, dass sein Betragen gegenüber den Vorgesetzten und Kollegen unbelastet war.
5 im Wesentlichen zu unserer Zufriedenheit

   
Du siehst, es ist gar nicht so leicht zu erkennen, welche Note dir dein Ausbildungsleiter im Zeugnis gegeben hat. Vor allem Ausdrücke wie „stets zur vollsten“, „allerbester“ „außerordentlich“,  bedeuten eine sehr gute Note, fehlende Informationen bedeuten eher eine schlechte. Wenn du dir mit deinem Arbeitszeugnis unsicher bist, kann es auch helfen, gezielt nach den jeweiligen Sätzen im Internet zu suchen oder deinen Berufsberater zu fragen.

Was mache ich, wenn ich ein schlechtes Zeugnis erhalten habe?

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Arbeitgeber dir kein gutes Zeugnis ausgestellt hat, dann lass den Kopf nicht hängen - denn du kannst etwas dagegen tun.

Zuallererst solltest du das Gespräch mit deinem Ausbilder suchen und ihm die Passagen vorlegen, mit denen du nicht einverstanden bist. Vor allem in Betrieben, die selten Zeugnisse ausstellen, kann es vorkommen, dass sie die Zeugnissprache gar nicht kennen und dir nichts Böses wollten.

Ganz wichtig: Erkläre deinem Vorgesetzten immer sachlich und freundlich, warum du ein besseres Zeugnis für gerechtfertigt hältst. Untermauere deine Argumente mit Situationen aus dem Arbeitsalltag, bei denen du dich beweisen konntest und mit Meinungen deiner direkten Kollegen.

Sollte dein Vorgesetzter kein Verständnis dafür haben, kannst du dich an das Arbeitsgericht wenden.

Was mache ich, wenn ich gar kein Zeugnis erhalten habe?

Du hast gar kein Zeugnis erhalten? Erst einmal heißt es: Keine Panik, denn das Berufsausbildungsgesetz steht auf deiner Seite. Du hast ein Recht auf dein Ausbildungszeugnis - zu lange warten darfst du darauf aber nicht: Sechs Wochen nach deiner Ausbildung verfällt das Recht auf ein Zeugnis. Deswegen erinnere deinen Ausbildungsleiter schon kurz vor dem Ende deiner Ausbildung an dein Zeugnis. Wenn du zum Ende deiner Ausbildung noch keines erhalten hast, dann suche erneut das Gespräch.

Wenn Gespräche nicht mehr helfen, kannst du deinem Ausbilder einen Formbrief schicken, der so aussehen könnte:

Sehr geehrter Herr/Frau … (Name Ansprechpartner/in),

ich habe meine Ausbildung als (Bezeichnung der Berufsausbildung) am … (Datum) erfolgreich beendet. Laut § 16 des Berufsbildungsgesetz habe ich bei Beendigung der Ausbildung das Recht auf ein Ausbildungszeugnis.

Leider habe ich bis heute noch kein Zeugnis von Ihnen erhalten. Da ich dies aber für eine Bewerbung dringend benötige, bitte ich Sie, mir bis spätestens zum … (Datum) ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen.

Sollte diese Frist nicht eingehalten werden können, bitte ich um telefonische Rückmeldung vor Fristablauf. Bei fehlender Ankunft des Zeugnisses sehe ich mich gezwungen meinen berechtigten Anspruch gerichtlich durchzusetzen und etwaige Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Mit herzlichen Grüßen,
(deine Unterschrift)

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