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Welche Rolle spielt ein Tarifvertrag in der Ausbildung?

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Welche Rolle spielt ein Tarifvertrag in der Ausbildung?

Redaktion ausbildung-me.de | 28. Nov 2021 | Kategorien: Ausbildung
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Was ist ein Tarifvertrag, was steht drin und welche Rolle spielt er für deine Ausbildung? Die Antworten findest du hier.

Was ist ein Tarifvertrag?

Ein Tarifvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung, die zwischen den Vertreter/innen von Arbeitgebern und den Vertreter/innen von Gewerkschaften ausgehandelt wird. Also zum Beispiel

  • in der Metall- und Elektro-Industrie zwischen dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall und der Gewerkschaft IG Metall oder
  • in der chemischen und pharmazeutischen Industrie zwischen dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und der IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie).

Die meisten Branchen in Deutschland haben eigene Tarifverträge. Oft gibt es keinen bundeseinheitlichen Tarifvertrag, sondern einzelne Tarifverträge für die jeweiligen Bundesländer. Arbeitest du im öffentlichen Dienst, dann gilt für dich der TVöD – der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst oder der TV-L – der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst der Länder.

 

Was sind die Inhalte eines Tarifvertrages?

Der Tarifvertrag legt wichtige Rahmenbedingungen von Arbeitsverhältnissen fest, wie die Löhne oder Gehälter, die Arbeitszeit, Zusatzleistungen oder die Zahl der Urlaubstage. Er wird immer für einen festen Zeitraum geschlossen und im Anschluss wieder neu ausgehandelt. Durch die sogenannte Tarifbindung sind die Inhalte des Tarifvertrages für beiden Seiten verpflichtend. Was die Ausbildung betrifft, beinhaltet der Tarifvertrag die folgenden Punkte:

  • Die Höhe deiner monatlichen Ausbildungsvergütung in den verschiedenen Ausbildungsjahren
  • Informationen zu Sonderzahlungen
  • Deine wöchentliche Ausbildungszeit (z.B. 35 Std./Woche)
  • Regelungen zur Übernahme nach der Ausbildung
  • Urlaubsdauer und -vergütung
  • Informationen zur Altersvorsorge und Entgeltumwandlung

 

Was bedeutet ERA?

Die Tarifverträge in der Metall- und Elektro-Industrie werden „ERA-Tarifverträge“ genannt – das steht für Entgelt-Rahmenabkommen. Dies ist ein Abkommen zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall, das es seit 2003 gibt. Die Entgeltrahmen-Tarifverträge (ERA-TV) in den Tarifgebieten der Metall- und Elektro-Industrie werden von den regionalen Arbeitgeberverbänden bzw. den IG-Metall-Bezirken vereinbart. Die ERA-TV enthalten auch eine Tabelle, in der deine Ausbildungsvergütung festgehalten ist. Etwas schwieriger wird es, wenn du dein Entgelt für die Zeit nach der Ausbildung herausfinden möchtest. Hier gibt es verschiedene Entgeltgruppen. Für die Eingruppierung ist maßgeblich, welche Arbeitsaufgaben in der jeweiligen Stelle auf dich zukommen. Zusätzlich sind die meisten Entgeltgruppen in Stufen unterteilt, die die Erfahrungsunterschiede von Mitarbeitenden innerhalb einer Entgeltgruppe berücksichtigen sollen.

 

Wann gilt der Tarifvertrag für mich und für meine Ausbildung?

In diesen Fällen gilt für dich ein Tarifvertrag:

  1. Du bist Gewerkschaftsmitglied und arbeitest in einem Unternehmen, das dem Arbeitgeberverband angehört. Dann fällt dein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis automatisch unter die Tarifwirkung und die getroffenen Vereinbarungen gelten für dich.
  2. Du bist kein Gewerkschaftsmitglied und arbeitest in einem Unternehmen, das dem Arbeitgeberverband angehört. Dann kann in deinem Arbeitsvertrag in der sogenannten Gleichstellungsabrede geregelt werden, dass dir dein tarifgebundenes Unternehmen die tariflichen Bedingungen gewährt.
  3. Du arbeitest in einer Branche mit sogenanntem allgemeinverbindlichem Tarifvertrag. Zum Beispiel im Maler- und Lackiererhandwerk, Elektrohandwerk, Baugewerbe oder Land- und Forstwirtschaft. In diesen Branchen sollen allgemeinverbindliche Tarifverträge verhindern, dass Löhne zu niedrig ausfallen oder Arbeitsbedingungen deutlich schlechter sind als in tarifgebundenen Unternehmen.

 

Was, wenn ich in der Ausbildung nicht nach Tarif bezahlt werde?

Wirst du nicht nach Tarif bezahlt, kommt möglicherweise die Mindestausbildungsvergütung zum Tragen. Denn Arbeitgeber, die keinem Tarifvertrag unterliegen, sind seit dem 1. Januar 2020 verpflichtet, ihren Auszubildenden einen Mindestlohn zahlen. Beginnst du deine Ausbildung im Jahr 2022, liegt die Mindestausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr bei 585 Euro. Mehr Infos dazu geben wir dir hier. Die Bezahlung nach Tarifvertrag in der Metall- und Elektro-Industrie liegt deutlich oberhalb der Mindestausbildungsvergütung. Mehr dazu erfährst du unter "Gehalt".

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